Es ist ein son­niger Febru­artag in Monaco. 13 Grad, die Sonne scheint. Mit­tags­zeit. Vom Mit­tel­meer weht eine leichte Brise auf die Horizon Rooftop Bar. Dort haben sich ein paar deut­sche Aus­wan­derer zum Mit­tags­snack ver­ab­redet. Es werden Aus­tern gereicht, man redet über die Arbeit.

Robert Geiss (in dröh­nendem Kölsch): Samma Alex, wat habe ich gelesen? Du gehst jetzt doch im Winter schon zu den Bayern?

Alex­ander Nübel (irri­tiert): Was? Wo stand das denn?

Geiss (über­zeugt, wedelt mit einer ​Kicker“-Ausgabe): Na hier: (langsam vor­le­send) ​Nübel vor Gast­spiel bei Bayern!“ (Tri­um­phie­rendes Grinsen)

Nübel: Robert, Alter, du musst mal deine blaue Brille abnehmen. Bayer! Da steht Bayer, nicht BayerN! Frag mal den Kevin, der kann dir was dazu erzählen. Der hat sogar mal da gespielt.

Geiss (sich an Kevin Volland wen­dend): Stimmt dat, Kevin?

Kevin Volland: Stimmt! Bayer Lever­kusen. Müss­test du als Pul­heimer eigent­lich kennen. Ist doch quasi direkt neben Köln. Du weißt schon: Kar­neval, Kölsch, Dom.

Geiss: Apropos Dom! (Ruft) Garçon! Noch eine Fla­sche Cham­pa­gner! (Dann, wieder an Volland gewandt) Lever­kusen… Inter­es­sant. Wie biste da zurecht­ge­kommen?

Volland: Ach, eigent­lich ganz gut. War die meiste Zeit Stamm­spieler, Cham­pions League, Europa League, tolle Buden…

Geiss (inter­es­siert): Wat denn so für Buden?

Volland: Mit Links, mit Rechts, mit dem Kopf… Tore eben! Gegen Dort­mund habe ich sogar mal…

Geiss (unter­bricht ent­täuscht): Und ich dachte, du redest von Immo­bi­lien.

Nübel (auf­hor­chend): War das nicht der von Dort­mund? Der, mit dem keiner Essen gehen wollte?

Geiss (augen­rol­lend): Immo­bi­lien, du Tünnes! Schon mal von gehört? (Lauter wer­dend) Häuser? Villen? Anwesen?

Alex­ander Zverev (war weg­ge­däm­mert, schreckt nun auf): Natür­lich bin ich anwe­send! Worum geht’s?

Nübel : Um den tollsten Sport der Welt!

Zverev (mit leuch­tenden Augen): Ah! Tennis!

Nico Hül­ken­berg: Auto­fahren!

Geiss (welt­män­nisch): Man merkt, dat ihr noch nicht lange hier seid, Jungs. Schon mal vom Tri­athlon von Monte Carlo gehört, unserem soge­nannten Goldman? 2,4 Meilen mit der Yacht, nach dem Ein­lauf in den Hafen dann ab aufs Rad: 112 Runden Rou­lette im Casino. Und dann am Ende der här­teste Part: 42 Meter die Ein­kaufs­tüten von de Carmen tragen.

Volland (erstaunt): Und das machst du regel­mäßig?

Geiss (grin­send): Biste bekloppt? Aber ich guck gerne dabei zu! (Dre­ckiges Lachen)

Nübel (lacht höf­lich): Hehehe. Apropos zugu­cken. Hast du nicht Lust, mit nach Lever­kusen zu kommen?

Geiss (irri­tiert): Wat soll ich denn da? Lever­kusen ist für dat Rhein­land unge­fähr dat, wat Nizza für die Côte d’Azur ist: ein kleines unbe­deu­tendes Kaff für arme Leute.

Nübel: Du könn­test uns anfeuern. Außerdem hat Lever­kusen einiges zu bieten! (Blickt hil­fe­su­chend zu Volland) Oder, Kevin?

Volland (über­legt): Naja, man ist schnell in Köln. Und manchmal lädt Calli zum Buffet.

Geiss: Hört mal Jungs, euer Gekicke in allen Ehren. Aber wenn ich völlig über­be­zahlten Men­schen bei ihrer Arbeit zugu­cken will, kann ich mir auch immer noch meine eigene Sen­dung bei RTL II rein­ziehen. (Dre­ckiges Lachen)

(Höf­li­ches Lachen beim Rest)

Zverev: Aber jetzt sag mal ehr­lich, Alex: Gehst du denn jetzt im Sommer zurück zu den Bayern? Ich als Bayern-Fan fänd’ das ja spitze.

Nübel (pro­fes­sio­nell): Ich habe noch immer das Ziel, die Nummer eins beim FC Bayern zu werden.

Hül­ken­berg (skep­tisch): Und was ist mit dem Neuer?

Nübel : Wie gesagt: Ich werde mich dem Kon­kur­renz­kampf…

Geiss (unter­bricht): Apropos Neuer: Garçon! Eine neue Fla­sche Pri­ckel­brause, bitte!

Kellner (höf­lich): Sehr gerne. Darf ich Ihnen dazu viel­leicht etwas von unserem Hummer rei­chen?

Geiss (fasst sich an die Stirn): Ach scheiße, der Hummer. Wo habe ich nochmal geparkt?

Zverev: Ver­mut­lich da, wo wir auch unser Ver­mögen parken: irgendwo im Steu­er­pa­ra­dies. (An Nübel gewandt) Aber jetzt haben die Bayern ja auch noch den Sommer gekauft.

Geiss (erstaunt): Die haben den Sommer gekauft? Und ich dachte, mir scheint die Sonne aus dem Arsch. Aber wo gibt’s denn Jah­res­zeiten zu kaufen?

Volland (leicht genervt): Robert… Yann Sommer ist ein Schweizer Torw…

Geiss (hört gar nicht zu, patzig): Wenn die Bayern sich den Sommer kaufen, dann kauf ich mir eben dat Hotel Vier Jah­res­zeiten. (Tastet seine Taschen ab): Wo hab ich denn mein Porte­mon­naie?

Unten auf der Straße läuft eine blonde Frau auf­ge­regt in Rich­tung des Stamm­tischs. In der Hand hält sie ein Porte­mon­naie, mit dem sie unab­lässig wedelt. Dann ruft sie kräch­zend: ROOOO­BÄÄÄÄÄÄRRRRRT!

Geiss: Ach du scheiße. Die Regie­rung… Bestellt schnell nochmal eine Runde von dem schwarzen Kräu­ter­ge­tränk. (Ruft) Garçon!