Wenn heute Nachmittag Union Berlin auf Schalke 04 trifft, dann spielen Vorletzter gegen Letzter. Zumindest wenn man die Tabelle nach der Unterbrechung durch das Coronavirus zurate zieht. Beide Teams haben ihre Derbys mit 0:4 verloren. Auch sonst sieht die Bilanz der beiden Vereine seit Mitte Mai eher dürftig aus. Vor 19 Jahren war das anders.
Spielort war damals auch nicht die Heimstätte der Eisernen, nicht die Alte Försterei, sondern das ungefähr 30 Kilometer von der Wuhlheide entfernte, noch unsanierte Olympiastadion. Statt um Punkte gegen den Abstieg, ging es um einen Pokal. Im DFB-Pokalfinale 2001 traf der Drittligist und designierte Aufsteiger 1. FC Union Berlin auf FC Schalke 04, der wenige Tage zuvor in letzter Sekunde nicht Meister geworden war, weil Bayerns Patrik Andersson in letzter Sekunde getroffen hatte.
Harmonie trotz Ninas Auftritt
Mehrere Baukräne ragten über das, bis auf die Haupttribüne noch nicht überdachte, Berliner Olympiastadion. Alles grau in grau, würde der Großteil der mehr als 73.000 anwesenden Zuschauer den Endspielort nicht in Rot und Blau teilen. Doch nicht nur die Farben unterschieden sich in den beiden Fanlagern, auch die Stimmung hätte wohl nicht gegensätzlicher sein können. Für Union war das Pokalfinale nur Bonus, und sollte zu einer großartigen Party mit den Fans werden. Schalke dagegen musste gewinnen, um eine eigentlich tolle Saison, die in der Nachspielzeit von Hamburg eine Kehrtwende genommen hatte, zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Doch die Stimmung war nicht feindselig, im Gegenteil. Sebastian Fiebrig, Gründer des Union-Blogs „textilvergehen.de“, erinnert sich an die Szenen vor dem Stadion: „Alle waren wirklich unglaublich nett zueinander. Wie bei einem internationalen Spiel, weil man weiß, dass man im Alltag nichts miteinander zu tun hat.“
Bevor angepfiffen wurde, kam es auf der damals noch ziegelroten Tartanbahn des Olympiastadions, zu einer kuriosen Darbietung. Die Berliner Vereinshymne „Eisern Union“ wurde von Nina Hagen gesungen. Leider hatte Hagen neben dem Farbfilm wohl auch den Text vergessen, sodass die Playbackperformance durch falsches Timing insbesondere vor dem Fernseher sicht- und hörbar wurde. Die meisten der mit roten Perücken bekleideten Union-Fans ließen sich davon nicht beirren und sangen trotzdem mit, sodass nur mancher vor den TV-Geräten von dem Schauspiel Notiz nahm.
„Knurrer“ trifft „General“
Und spätestens als wenig später der Anpfiff ertönte, dachte niemand mehr an diese Showeinlage. Nun stellte man sich im ausverkauften Rund nur noch eine Frage: Würde der Außenseiter aus Köpenick den Favoriten ein Bein stellen können, und so ganz Gelsenkirchen ein zweites Mal innerhalb einer Woche ins Tal der Tränen stoßen?