Es waren nur rund fünf Minuten, die James Milner am Mittwoch im San Siro auf dem Platz stand. Fünf Minuten, in denen der Routinier noch einmal für Stabilität sorgen sollte. Fünf Minuten, in denen er seiner Mannschaft helfen konnte, den 2:0‑Vorsprung im Champions-League-Achtelfinale gegen Inter Mailand über die Zeit zu bringen. Das gelang Liverpools Mittelfeldmann. Und obwohl James Milner nur einen kurzen Arbeitstag hatte, wird er sich wahrscheinlich noch länger an ihn erinnern. 36 Jahre ist der Engländer mittlerweile alt. Die Partie gegen Inter Mailand markierte seinen achthundertsten Profieinsatz. Das heißt: In seiner mittlerweile 20 Jahre langen Karriere hat Milner durchschnittlich 40 Spiele pro Saison absolviert. Und die meisten davon im Trikot des FC Liverpool.
Dabei hätte sein alter Arbeitgeber ihn liebend gerne behalten. „Ich hoffe, er bleibt“, sagte Manchester Citys damaliger Trainer Manuel Pellegrini. „Findet mir einen besseren englischen Spieler. Zeigt mir einen, der alle Dinge tut, die Milner gut kann. Es gibt keinen.“ Und Milner hätte gute Gründe für einen Verbleib gehabt. Während seiner Zeit bei Manchester City gewann er unter anderem zweimal die Premier League. Das Angebot auf eine Vertragsverlängerung war dazu das lukrativste, das Milner vorlag.
Doch der Engländer entschied sich anders und wechselte im Sommer 2015 ablösefrei nach Liverpool. Dort kickt er mittlerweile seit über sechs Jahren. In dieser Spielzeit stand Milner bereits bei 21 Partien für die Reds auf dem Feld. „Man kann sehen, dass er noch immer diesen Hunger hat“, sagte sein Ex-Mitspieler Ashley Young gegenüber BBC Radio 5 nach dem Inter-Spiel. „James Milner war über seine ganze Karriere hinweg beeindruckend. Das Alter ist eben nur eine Zahl.“ Dass das stimmt, bewies James Milner bereits vor 20 Jahren.
Der jüngste Torschütze der Premier League
31 Minuten waren Ende Dezember 2002 im Spiel zwischen Leeds United und dem FC Chelsea gespielt, da humpelte Harry Kewell vom Platz. Die Heimelf führte zu diesem Zeitpunkt durch ein Eigentor von William Gallas mit 1:0. An der Seitenlinie stand ein kantiger Junge zur Einwechslung bereit. Das Shirt mit der Rückennummer 38 steckte in der Hose und wirkte trotz des robusten Körperbaus etwas zu groß. 16 Jahre alt war James Milner damals. Und an diesem Dezembernachmittag brauchte er keine Viertelstunde, um der ganzen Premier League zu zeigen, wer er war: Ein Steckpass von Eirik Bakke, ein eleganter Laufweg nach Innen, ein schneller Haken und Gegenspieler Marcel Desailly, der dabei auf den Hosenboden plumpste. Dann ein Schlenzer mit rechts und die Kugel sauste vorbei an Chelsea-Keeper Ed de Goey ins Netz. Die Ellen Road bebte. James Milner wurde von Kollege Alan Smith vor Freude zu Boden gerissen und Sekunden später unter seinen Mitspielern begraben.
Es war Milners zweites Premier-League-Tor innerhalb weniger Tage. Am Boxing Day 2002 hatte er gegen den AFC Sunderland seinen ersten Treffer überhaupt in Englands höchster Spielklasse erzielt. Und war dabei zum Rekordtorschützen avanciert. Denn durch das Tor gegen Sunderland wurde Milner zum damals jüngsten Torschützen der Premier League. Damit löste er Wayne Rooney ab, der den Rekord erst zwei Monate zuvor aufgestellt hatte.
Das unfreiwillige Ende in Leeds
Lange sollte Milner mit Leeds aber nicht in der Premier League spielen. Nachdem die Mannschaft 2004 abgestiegen war, ging es für den damals 18-Jährigen zu Newcastle United – auch weil Milners Heimatklub dringend Geld benötigte. Davon ahnte er am Anfang jedoch nichts. Und so schlug Milner am ersten Tag der Vorbereitung noch bei Leeds United auf. Auch eine Vertragsverlängerung war für ihn zu diesem Zeitpunkt durchaus denkbar. „Dann hat jemand gesagt: Du gehst morgen nach Newcastle zu deinem Medizincheck“, sagte Milner dem Magazin FourFourTwo im August 2018.
Junger Bursche: James Milner bei seiner ersten Profistation in Leeds.
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Für den jungen Engländer war das ein schwerer Schritt. Milner wuchs in Leeds auf, war Dauerkartenbesitzer und Balljunge. Bei den Peacocks durchlief er sämtliche Jugendmannschaften. „Es war sehr enttäuschend, dass ich nicht mehr für Leeds spielen durfte, aber es überhaupt getan zu haben, war etwas sehr Spezielles.“ Vier Jahre lief Milner in der Folge für Newcastle auf. 2008 ging es zu Aston Villa, für die er leihweise bereits zwei Jahre zuvor die Knochen hingehalten hatte. In Birmingham reifte Milner zum Nationalspieler und nahm später an jeweils zwei Welt- und Europameisterschaften teil.