Dieser Brief erschien erstmals in 11FREUNDE #232. Für diese Ausgabe haben wir Stürmer gebeten, an ihre Partner im Angriff zu schreiben. Das Heft gibt es bei uns im Shop, alle Briefe auch hier bei uns im Club.
Lieber Toni,
wenn ich an dich denke, denke ich sofort an deine Torjubel. Niemand hat so schön gejubelt wie du! Wenn du nach einem Tor zu den Fans gelaufen bist, stand dir die pure Freude ins Gesicht geschrieben. Da konnte man gar nicht anders, als sich mit dir zu freuen.
Und Gründe zum Jubeln hatten wir ja so einige. Unser Spiel gegen den VfB Stuttgart zum Beispiel, das war großartig. Erinnerst du dich? Eine wilde Partie, am Ende stand es 4:4. Wir haben beide jeweils zwei Tore gemacht. Du hast mir zwei Treffer aufgelegt, ich dir einen.
„Dein Pass beim Spiel in München war eigentlich viel zu lang“
Auf dem Rasen haben wir uns eben blind verstanden. Ich glaube, das lag daran, dass wir auch neben dem Platz sehr viel Spaß zusammen hatten. Ich will mich nicht zu sehr selbst loben, aber ich habe deine Laufwege immer lesen können. Ich wusste immer genau, wo du stehst.
Andersherum hat es nicht immer ganz so gut geklappt: Dein Pass beim Spiel in München, der war eigentlich viel zu lang. Du dachtest wohl, ich wäre genauso schnell wie du. Zum Glück hat Oliver Kahn mitgespielt und den Ball abklatschten lassen. Ich habe mich um die eigene Achse gedreht, Gott sei Dank in die richtige Richtung, und musste nur noch einschieben. Das 3:0 hast du dann selbst gemacht, ein wunderbarer Schlenzer. Und dann hatten wir es geschafft: Deutscher Meister!
„Dein größter Fehler: Du hast mich nicht mit zu Schalke genommen!“
Im Anschluss hast du dein legendäres Interview gegeben, in dem du erzählt hast, was du alles trinken würdest: brasilianisches Bier, Wasser, Champagner und so weiter. Und du hast deine Ankündigung wahrgemacht, es war eine großartige Party.
Nach der Meisterschaft hast du allerdings den größten Fehler deines Lebens begangen: Du bist zu Schalke gewechselt – und hast mich nicht mitgenommen! Hätte ich dich begleitet, hättest du vielleicht auch weiterhin Erfolg gehabt. So hat es diesen Bruch in deiner Karriere gegeben. Nach Bremen wurdest du nirgendwo mehr so richtig glücklich. Vielleicht auch, weil nur Thomas Schaaf wusste, wie man mit dir umgehen muss. Schade, dass es so gelaufen ist. Aber unsere gemeinsame Zeit in Bremen entschädigt für vieles.
Ich bin froh, dass du nach deiner Zeit in den USA jetzt wieder zurück in Bremen bist und wir uns häufiger sehen können. Nur bei den Hallenturnieren mit der Werder-Traditionself, da könntest du mir ruhig ein paar mehr Minuten für die Position im Sturm gönnen.
— Dein Ivan
Die Namen Ailton und Ivan Klasnic sind fest verbunden mit Werders größtem Erfolg der jüngeren Vergangenheit, dem Double 2004. Allein in jener Saison erzielten sie zusammen 53 Tore. Während ihrer gemeinsamen Zeit von 2001 bis 2004 bei Werder trafen sie insgesamt 98 Mal (Ailton 71, Klasnic 27).