Der ehe­ma­lige Vor­stopper und spä­tere Bun­des­liga-Manager, der seine Frau Eva und die Töchter Nina und Laura hin­ter­lässt, litt an Pro­stata-Krebs. »Ich bin scho­ckiert, ich habe meinen besten Freund ver­loren«, sagte Klaus Fischer, der von 1970 bis 1980 mit dem kopf­ball­starken Ver­tei­diger zusammen bei Schalke 04 spielte: »Es ist eine furchtbar trau­rige Geschichte.« Der eins­tige Tor­jäger war Rüss­mann auch nach der gemein­samen Kar­riere freund­schaft­lich ver­bunden, oft fuhren die beiden Fami­lien gemeinsam in Urlaub. »Er war der beste Kopf­ball­spieler, den ich je gesehen habe«, sagte Fischer: »Er hat sich alles erar­beitet, vor­bild­lich erar­beitet. Davon können sich heute viele eine Scheibe abschneiden.«

Rüss­mann, der 20 Län­der­spiele bestritt und bei der WM 1978 in Argen­ti­nien eine unrühm­liche Haupt­rolle bei der »Schmach von Cor­doba« spielte, erlebte die meisten Höhen und Tiefen als Fuß­baller bei Schalke 04. Mit den Königs­blauen wurde er 1972 Pokal­sieger und Vize­meister. Die junge, talen­tierte Mann­schaft um Rüss­mann, Fischer, die Zwil­linge Helmut und Erwin Kre­mers, »Stan« Libuda und Klaus Fichtel schien einer glor­rei­chen Zukunft ent­ge­gen­zu­streben – bis sie sich selbst durch den Bun­des­liga-Skandal stoppte. Auch Rüss­mann wurde vom Land­ge­richt Essen rechts­kräftig ver­ur­teilt, ab März 1973 vom DFB gesperrt und mit einer Geld­strafe belegt, weil er für die 0:1‑Niederlage gegen Arminia Bie­le­feld am 17. April 1971 2300 Mark ange­nommen hatte. »Das war das mie­seste Geschäft meines Lebens«, sagte er nachher. Nach einem Abste­cher ins Aus­land zum FC Brügge kehrte er nach der Begna­di­gung im Januar 1974 nach Schalke zurück, wo er 1977 noch einmal Vize­meister wurde und bis November 1980 spielte.

»Schon wieder ist einer meiner Jungs tot«, sagte der ehe­ma­lige Schalker Prä­si­dent Günter Sie­bert, der Rüss­mann 1969 vom FC Schwelm 06 für 15.000 Mark ver­pflichtet hatte und zusammen mit Her­bert Lüt­ke­boh­mert und Klaus Scheer zwi­schen­zeit­lich in einem Ber­liner Hotel ver­steckt hatte, »weil die ganze Bun­des­liga hinter ihnen her war«.

»Der ein­zige Trost für mich ist, dass er erlöst ist«

Vor Rüss­mann waren bereits Libuda (1996) und Lüt­ke­boh­mert (1993) aus der Schalker 72er-Mann­schaft gestorben. »Der ein­zige Trost für mich ist, dass er erlöst ist«, sagte sein eins­tiger Team­kol­lege Erwin Kre­mers, »und dass wir uns bis zuletzt um ihn geküm­mert haben«.

Nach der aktiven Lauf­bahn war Rüss­mann, der von 1980 bis 1985 noch für den Schalker Erz­ri­valen Borussia Dort­mund spielte, als Manager tätig. 1987 erst für wenige Monate bei Schalke, dann von 1990 bis 1998 bei Borussia Mön­chen­glad­bach und ab Februar 2001 bis Dezember 2002 beim VfB Stutt­gart. Zuletzt setzte er sich vor allem für den Fuß­ball-Nach­wuchs ein.

»Die Bun­des­liga trauert um eines ihrer prä­genden Gesichter«, sagte Rein­hard Rau­ball, damals BVB-Prä­si­dent und heute Liga-Prä­si­dent: »Er war ein großer Sports­mann, der wie kein Zweiter für den Ruhr­ge­biets­fuß­ball stand. Beliebt bei den Fans, wurde seine lebens­lus­tige und humor­volle Art von allen Seiten geschätzt. Auch in seiner zweiten Kar­riere als Manager hat er Maß­stäbe gesetzt. Ins­be­son­dere der Ein­satz für die Jugend­ar­beit wird mit seinem Namen ver­bunden bleiben.«

Mit Betrof­fen­heit wurde die Mel­dung auch beim DFB auf­ge­nommen. »Kürz­lich erst hat Rolf bei uns seine Mit­ar­beit in den ehren­amt­li­chen Gre­mien für die Nach­wuchs-För­de­rung mit dem Hin­weis auf seine ange­grif­fene Gesund­heit beendet. Dem Fuß­ball war er zeit­le­bens lei­den­schaft­lich ver­bunden. Ich per­sön­lich kannte und schätzte ihn seit über 30 Jahren. Unser großes Mit­ge­fühl gilt seiner Familie«, erklärte DFB-Gene­ral­se­kretär Wolf­gang Niers­bach.