Dieser Text erscheint im Rahmen einer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.

Unter den vielen sport­li­chen Fehl­ein­schät­zungen des Sport­ma­na­gers Fredi Bobic hat sich diese als eine seiner spek­ta­ku­lä­reren her­aus­ge­stellt. Es war vor gut drei­ein­halb Monaten und die Welt von Hertha BSC noch eini­ger­maßen in Ord­nung. Die Sonne schien, als Bobic, der Sport­ge­schäfts­führer des Ber­liner Fuß­ball-Bun­des­li­gisten, sich auf der Ter­rasse eines Hotels in Flo­rida nie­der­ließ, um nach dem Trai­nings­lager in den USA Bilanz zu ziehen. Dabei äußerte er sich auch zu Ivan Sunjic.

Bobic hob den Kroaten lobend hervor, als er gefragt wurde, wer ihn denn in den zurück­lie­genden Tagen positiv über­rascht habe. Er klang sogar regel­recht begeis­tert. ​Was der für einen Sprung gemacht hat …“, sagte Her­thas Sport­chef. Und wie Sunjic nach anfäng­li­chen Schwie­rig­keiten den Sprung von der zweit­klas­sigen Cham­pi­on­ship in Eng­land auf das Niveau der Bun­des­liga gemeis­tert habe!

In Wirk­lich­keit sagte Bobic ver­se­hent­lich sogar Cham­pions League statt Cham­pi­on­ship. Es war, wie man heute weiß, ganz sicher kein Freud­scher Ver­spre­cher.

Er wird nie mehr für Hertha spielen

Bei Ivan Sunjic, 26, hat es zuletzt nicht mal mehr für die Bun­des­liga gereicht. Nur zwei Wochen nach Bobics Eloge, bei der 0:5‑Heimniederlage der Ber­liner gegen den VfL Wolfs­burg, stand der Kroate letzt­mals bei den Ber­li­nern in der Startelf. Zur Pause wurde er aus­ge­wech­selt, weil er – wie einige andere in Her­thas Mann­schaft – mit der Her­aus­for­de­rung über­for­dert war. Seitdem kehrte Sunjic nur noch spo­ra­disch aufs Feld zurück. Aber selbst das wird in naher Zukunft wohl nicht mehr pas­sieren.

Als die Spieler von Hertha BSC am Diens­tag­vor­mittag nach einer 50-minü­tigen Video­ana­lyse des Spiels vom Wochen­ende den Trai­nings­platz betraten, war Sunjic, wenig über­ra­schend, nicht dabei. Und dabei wird es auch erst einmal bleiben. Der defen­sive Mit­tel­feld­spieler, der am Sonntag mit derben Worten („Ver­piss dich!“) des Trai­nings­platzes ver­wiesen worden war, ist von Hertha sus­pen­diert worden, ​bis auf wei­teres“, wie der Verein mit­teilte.

Dass dies etwas anderes bedeutet als ​bis zum Sai­son­ende“ ist eher unwahr­schein­lich. Nach mensch­li­chem Ermessen wird Sunjic, dessen Ver­trag im Sommer endet, also nie mehr für den Ber­liner Bun­des­li­gisten zum Ein­satz kommen. Bei Her­thas Zustand ist man fast geneigt zu sagen: der Glück­liche! 

Er spuckte zweimal auf den Boden

Beim Trai­ning am Tag nach der 2:4‑Niederlage gegen Werder Bremen hatte er sich den Unmut seines Trai­ners zuge­zogen. Man­gelnde Auf­merk­sam­keit bei Dar­dais Aus­füh­rungen, auch Wider­worte sollen die Ursache gewesen sein. Offi­ziell war nur von Dis­zi­plin­lo­sig­keit die Rede.

Vom eigent­li­chen Vor­fall, der Dar­dais Aus­bruch aus­ge­löst hatte, gibt es keine Fern­seh­auf­nahmen. Bewegt­bilder zeigen, wie Sunjic zweimal auf den Rasen spuckt. Sie stammen jedoch von einem Zeit­punkt, als der Trainer ihn bereits auf­ge­for­dert hatte, den Platz zu ver­lassen.