Tim Borowski, ist Michael Bal­lack der­zeit der beste deut­sche Spieler?

Ehr­lich gesagt finde ich es blöd, über Kol­legen zu urteilen.

Anders gefragt: Was kann Bal­lack besser als Sie?

Das Kopf­ball­spiel beherrscht er sicher besser.

Wie ver­stehen Sie sich mit ihm?

Wir sind Team­kol­legen und in dieser Eigen­schaft ver­stehen wir uns gut. Er bringt her­vor­ra­gende Leis­tungen und selbst­ver­ständ­lich ver­dient er dafür genauso Respekt, wie jeder andere im Team.

Mal ehr­lich, ging Ihnen die gute Laune wäh­rend der WM nicht irgend­wann auf den Sack? Schließ­lich waren Sie die meiste Zeit nur zweite Wahl.

Als ich im Eröff­nungs­spiel gegen Costa Rica aus­ge­wech­selt wurde, saß ich abends im Hotel­zimmer und dachte: ​Warum lässt er mich nicht wenigs­tens durch­spielen?“ Ich wusste, dass ich beim nächsten Spiel wieder auf der Bank sitzen würde…

Weil die ​Wade der Nation“ im Eröff­nungs­spiel ver­letzt fehlte.

Doch nach dem ersten Frust habe ich mit meinem Berater und meiner Familie tele­fo­niert. Die haben mir einen anderen Blick auf das Tur­nier ver­mit­telt. Mir wurde bewusst, was für ein Glück ich habe, bei so einem Ereignis dabei zu sein. Mein Geburts­jahr, mein Alter stimmen, ich bin fit und wurde berufen. Also habe ich beschlossen, die Zeit zu genießen. Diese Ein­stel­lung hat mir sehr dabei geholfen, eine gute WM zu spielen.

Welche Rolle wollen Sie nun bei der EM 2008 spielen?

Wenn es nach mir geht, eine noch grö­ßere als bei der WM. Schweini und ich haben wäh­rend der WM auf unserer Posi­tion hohe Spiel­an­teile erreicht. Es wäre schön, wenn ich mich auf diesem Weg weiter stei­gern könnte, denn nach wie vor stehe ich auf dem Stand­punkt, dass unser Mit­tel­feld eines der besten der Welt ist.

Die Außen­po­si­tion ist also lang­fristig Ihr Ziel im Natio­nal­dress?

Natür­lich gefällt mir die Halb­po­si­tion oder sogar das zen­trale Mit­tel­feld besser. Aber ich kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Außen­po­si­tion spielen, was für meine Stel­lung im Team ein großes Plus ist. Denn so kann ich überall, wo ich auf­ge­stellt werde, auf mich auf­merksam machen.

Ist 2008 auch eine zen­trale Mit­tel­feld­achse mit Bal­lack und Borowski denkbar?

Meines Erach­tens haben Michael Bal­lack und Torsten Frings bei der WM bewiesen, dass sie der­zeit die beste Achse bilden. Aber es gibt zwei wei­tere Posi­tionen im Mit­tel­feld, und ich wäre froh, wenn ich eine davon als Stamm­spieler über­nehmen könnte. Und wenn sich einer ver­letzen sollte – was ich natür­lich keinem wün­sche – wäre ich da, um auf einer zen­tralen Posi­tion aus­zu­helfen.
Hätten Sie als Spieler des FC Bayern eine wich­ti­gere Rolle bei der WM gespielt?

Ich glaube nicht. Vor einem Jahr träumte ich davon, über­haupt bei der WM dabei zu sein. Dann habe ich eine gute Saison gespielt, war aber auch noch ver­letzt und wurde unum­stritten nomi­niert. Und mit der Art, wie ich mich bei der WM prä­sen­tierte, habe ich ein paar Kri­ti­kern sicher das Futter ent­zogen.

Wel­chen Anteil hat Jürgen Klins­mann am WM-Erfolg?

Viele haben ihn aus­ge­lacht, als er den Kader bekannt gab. Aber er hat genau die rich­tigen Cha­rak­tere berufen und hat ein Team-Gebilde kre­iert, das zusammen passte. Bis ins letzte Glied hat er uns vor­ge­lebt: Wir sind ein Team.

Mussten Sie ange­sichts des schwä­bi­schen Dia­lekts bei Klins­manns Brand­reden trotzdem manchmal in sich hinein schmun­zeln?

Es kommt auf die Inhalte an. Seine Anspra­chen habe nicht nur ich als große Moti­va­ti­ons­kunst emp­funden.

Können Sie nach­voll­ziehen, warum Klins­mann auf­ge­hört hat?

Ja, denn wie er in diesen zwei Jahren gear­beitet hat, war der Wahn­sinn. Er hat nicht nur eine Mann­schaft über­zeugt, son­dern ein ganzes Land. Die ganze Zeit stand er extrem unter Druck. Als was waren wir Spieler vorab nicht alles beschimpft worden: als ​Brat­würste“, ​Pizzen“ und ​Kar­tof­feln“. Und wären wir tat­säch­lich in der Vor­runde aus­ge­schieden, hätte Klins­mann den Kopf dafür hin­ge­halten. Daher kann ich nach­voll­ziehen, dass er nach der WM völlig aus­ge­brannt war. Im Übrigen: Was hätte er noch errei­chen können?

Zum Bei­spiel in vier Jahren mit Ihnen Welt­meister zu werden.

Aber auch so hat er in Deutsch­land ein Ansehen, dass bei­nahe mit dem von Franz Becken­bauer zu ver­glei­chen ist. Und jetzt ist er in Flo­rida und bekommt viele gute Ange­bote.

Ist es ein Vor­teil für Sie, dass Löw Klins­mann nach­ge­folgt ist?

Ich bin ganz froh, dass er den Job über­nommen hat. Schließ­lich hat Löw das System mit geprägt und unsere Spiel­phi­lo­so­phie bleibt die gleiche.

Was bringt einem Spieler von Ihrer Qua­lität noch das Trai­ning bei der Natio­nal­mann­schaft?

In der WM-Vor­be­rei­tung habe ich gelernt, wie wichtig der Fit­ness­wert ist. Das Trai­ner­team um Mark Ver­stegen hat uns zu Maschinen gedrillt, die 90 Minuten rauf und runter mar­schieren konnten, ohne nur mit der Wimper zu zucken.

Wer sind Ihre besten Kum­pels im DFB-Team?

Wir haben einen sehr guten Team­geist und ich ver­stehe mich mit allen. Bei der WM habe ich neben Torsten Frings auch viel mit Robert Huth, Bernd Schneider, Per Mer­te­sa­cker oder Oliver Neu­ville unter­nommen.

Franz Becken­bauer sagte 1974, dass ein modernes Natio­nal­team nicht mehr elf Freunde sind, son­dern ein reiner Inter­es­sen­ver­band. Inwie­weit trifft das auf die Mann­schaft von 2006 zu.


Ich würde uns als einen unter­ein­ander befreun­deten Inter­es­sen­ver­band bezeichnen.

Was bedeutet es Ihnen, in der Natio­nal­mann­schaft zu spielen?

Es ist das Größte. Und gerade an jungen Spie­lern wie Tro­chowski und Schlau­draff, merke ich, wie extrem hoch auch bei denen der Stel­len­wert des DFB-Teams wieder ist.

Was sagen Sie dazu, dass trotz der har­mo­ni­schen WM inzwi­schen auch in Bun­des­li­ga­sta­dien wieder ras­sis­ti­sche Parolen zu hören sind?


Ras­sismus in Sta­dien ist kein deut­sches, son­dern ein euro­päi­sches Pro­blem. In Ita­lien und Spa­nien ist das viel hef­tiger als bei uns. Idioten, die irgend­wel­chen Mist aufs Spiel­feld brüllen, wird es wohl immer geben.

Haben Sie eine Idee, wie Sie als Spieler so was ver­hin­dern können?

Sowas kann nie­mand kon­trol­lieren. Selbst die Ordner können nur selten erkennen, wer da gröhlt. Das ein­zige, was uns Spie­lern bleibt, ist, das Pro­blem publik zu machen und zu zeigen, dass wir nicht bereit sind, Ras­sismus in den Sta­dien zu tole­rieren.

Blickt man in die unteren Ligen, stellt man fest, dass ras­sis­ti­sche Über­griffe vor allem in ost­deut­schen Sta­dien ein Pro­blem sind.

Ich glaube, das Pro­blem exis­tiert überall. In der Nähe von Bremen, in Del­men­horst, wollte gerade ein Anwalt aus der rechts­ra­di­kalen Szene ein Hotel in ein Schu­lungs­zen­trum für diese Leute umfunk­tio­nieren. Aber sicher hat es den Anschein, dass die Jugend­li­chen in den neuen Bun­des­län­dern ein beson­deres Pro­blem dar­stellen.

Wie sehr fühlen Sie ich noch als Ost­deut­scher?

Ich würde meine Her­kunft nie ver­leugnen. Ich bin stolz darauf aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern zu stammen. Es ist eines der schönsten Bun­des­länder in Deutsch­land, in dem ich gerne meine Urlaube ver­bringe. Aber das Gerede von Ost-West-Gegen­sätzen geht mir total auf den Keks.

Was kon­kret geht Ihnen auf den Keks?

Wenn ich zurück nach Neu­bran­den­burg komme, habe ich manchmal den Ein­druck, dass gerade die­je­nigen, die damals die Mauer nie­der­ge­schrieen haben, sie nun am liebsten wieder auf­bauen würden. Ich kann nicht nach­voll­ziehen, dass die immer noch PDS wählen. Das ist wie mit dem Rechts­extre­mismus – bei man­chen kriegt man diese Ver­bohrt­heit ein­fach nicht aus dem Kopf.

Wie haben Sie es als 16-Jäh­riger emp­funden, aus Ihrer Hei­mat­stadt Neu­bran­den­burg in die Fuß­ball­me­tro­pole Bremen zu kommen?

Bereits als Zehn­jäh­riger war es mein Ziel, Profi zu werden. Schon da wusste ich, dass ich nur mit viel Glück die Chance bekomme, bei einem Top-Klub zu trai­nieren. Inso­fern war klar, dass ich das Angebot annehme. Aber die Abna­be­lung fiel mir natür­lich nicht leicht.

Hatten Sie Heimweh?

Gerade das erste halbe Jahr war sehr hart. Es kam alles auf einmal: Die Freunde und die Familie sind weg, der Schulweg dauert nicht mehr fünf Minuten, son­dern eine drei­viertel Stunde. In dieser Zeit war mir die Familie im Werder-Internat eine große Stütze.

Welche Eigen­schaften haben Ihnen den Weg aus der Jugend an die Spitze des Werder-Teams geebnet?

Wer als Jugend­li­cher so einen Schritt wagt, muss ein beson­deres Maß an Ziel­stre­big­keit mit­bringen. Ich wusste immer, was ich mir leisten kann und worauf ich zugunsten des Erfolges ver­zichten muss.

Ihr Erfolgs­ge­heimnis in einem Satz.

Talent ist wichtig, aber nicht alles. Ich habe zuge­sehen, oft auch in Extra­ein­heiten, an meinen Defi­ziten zu arbeiten und Stärken zu ver­fei­nern. Ein Profi kann nicht zweimal die Woche feiern gehen, son­dern nur einmal im Monat. Und dann kommt auch eine ordent­liche Por­tion Glück dazu.

Etwa das Glück, dass Thomas Schaaf schon Ihr Jugend­trainer bei Werder war?

Es war bestimmt ein Vor­teil, dass er mich kannte und mich nach Bremen geholt hat. Dadurch kannte er meine Stärken und konnte die Schwä­chen tole­rieren. Für meinen Sprung ins Profi-Team war so gesehen auch der Trai­ner­wechsel bei Werder von Felix Magath zu Thomas Schaaf in Glücks­fall. Denn so bekam der Trainer seine Chance, hier etwas Großes auf­zu­bauen.

Gab es einen Moment, als auch Ihnen per­sön­lich klar wurde, dass Sie bei Werder Bremen Großes errei­chen können?

Ich hatte in Bremen par­allel zum Fuß­ball­in­ternat eine Aus­bil­dung zum Auto­mo­bil­kauf­mann ange­fangen. Eines Tages kam Thomas Schaaf auf mich zu und sagte: ​Was willst Du? Profi werden oder Autos ver­kaufen? Du ver­passt zu viele Trai­nings­ein­heiten.“ Da habe ich ent­schieden, die Aus­bil­dung abzu­bre­chen. Zwei meiner Kum­pels haben genau so ent­schieden – bei mir hat es geklappt, bei ihnen leider nicht.

Schaaf war als Inte­rims­lö­sung nach Felix Magath geplant. Haben Sie damals geglaubt, dass er so viel Erfolg bei den Profis haben würde?

Auf jeden Fall. Schon als Jugend- und Ama­teur­trainer hat er ständig neue Trai­nings­me­thoden aus­pro­biert. Er stu­dierte schon damals den Spiel­rhythmus inter­na­tio­naler Teams und dachte moderner als andere. Dazu kam sein Auge für gute Spieler.

Wie haben Sie die Ära Magath in Bremen erlebt?

Unter Magath durfte ich nur einmal als A‑Jugendlicher trai­nieren. Das Ein­zige woran ich mich erin­nere, ist, dass ich nach dem 30-minü­tigen Auf­wärm­pro­gramm platt war.

Wie würden Sie Ihr Ver­hältnis zu Schaaf bezeichnen?

Er ist eine Respekts­person, immerhin ist er mein Chef. Aber wenn ich ein Pro­blem habe, kann ich jeder­zeit seinen Rat erfragen. Inso­fern ist er auch ein Freund, auch wenn unser Ver­hältnis sicher nicht die Züge einer nor­malen Freund­schaft trägt.

Duzen Sie sich?

Ja. Das stammt noch aus der Zeit, als er mein Jugend­trainer war.

Foppen Sie ihn, wenn er seinen Kapu­zen­pulli bei Cham­pions League Spielen mit dem Anzug tauscht?

Nein, denn ers­tens bin ich mir nicht sicher, ob der Anzug nicht sogar eine Auf­lage der UEFA ist. Zwei­tens finde ich, dass es ihm ganz gut steht und drit­tens, ist es dem Anlass meines Erach­tens auch ange­messen (lacht).

Jürgen Klins­mann hat als Spieler immer Pro­bleme mit der Ballan- und Ball­mit­nahme in höchster Geschwin­dig­keit gehabt. Welche Pro­bleme haben Sie noch?

Die Defi­zite werden immer weniger (lacht). Mein Manko war schon seit der Pubertät die Schnel­lig­keit. Die Explo­si­vität bei einem 1,94 Meter Mann ist natur­gemäß schwä­cher als bei einem 1,74 Meter großen Spieler. Daran muss ich bis heute arbeiten.

Sonst keine Defi­zite?

Sicher, aber die muss nicht jeder kennen. Natür­lich nur Klei­nig­keiten (lacht).

Was hat Schaaf in Bremen geschaffen, was seinen Vor­gän­gern nicht gelungen ist?

Er hat eine moderne Spiel­phi­lo­so­phie geprägt und Spieler wie Micoud oder zuletzt Diego geholt, die intel­li­gent genug sind, dieses System umzu­setzen. Wir prak­ti­zieren schnelles Umkehr­spiel, können mit wenigen Ball­kon­takten und varia­blen Pass­folgen von Abwehr auf Angriff umschalten.

Inwie­weit ergänzt sich diese Phi­lo­so­phie mit der Linie in der Natio­nalelf?

Das ist der moderne Fuß­ball: viele direkte Pässe, die ver­tikal in die Spitze gespielt werden, um die Schwä­chen der Vie­rer­kette aus­zu­nutzen. In Bar­ce­lona wird das System seit fünf Jahren gespielt, bei uns in Bremen seit gut drei Jahren und in der Natio­nalelf seit zwei.

Wenn das der moderne Fuß­ball ist, warum spielt der FC Bayern dann nicht so attraktiv wie Werder?

Weil Bayern eine andere Phi­lo­so­phie pflegt. Wir setzen mit aller Macht darauf, dass Spiel­feld mit wenigen Kon­takten schnell zu über­brü­cken. Das macht Bayern nicht oder anders und des­wegen ist deren Spiel auch nicht so schön wie unseres (lächelt).

Haben Sie eine Erklä­rung, warum Magath so spielen lässt?

Ehr­lich gesagt, beschäf­tige ich mich lieber mit unserem System als mit anderen.

Aber Sie treffen im Natio­nal­team viele Bayern-Spieler. Sind die mit dem System ein­ver­standen, das in Mün­chen prak­ti­ziert wird?

So viele Bayern gibt es da gar nicht mehr (lacht). Nur soviel: Ich habe von vielen Natio­nal­mann­schafts­kol­legen posi­tive Stimmen zu unserer Phi­lo­so­phie gehört.

Frank Rij­kaard sagt, Deco ist das Baro­meter des Barca-Spiels, der Mann, der den Druck vari­iert. Wer ist das Baro­meter des Werder-Spiels?

Das kom­plette Mit­tel­feld. Wird Diego in Mann­de­ckung genommen, können Torsten Frings und ich für den Druck sorgen. Treten wir gegen offen­siv­starke Teams wie Bar­ce­lona an, treibt Frank Bau­mann von der Sechser-Posi­tion unser Spiel an. Wenn wir hin­gegen selbst das Spiel machen, ist Diego für die spie­le­ri­sche Krea­ti­vität ver­ant­wort­lich.

War die Ver­pflich­tung Diegos nach dem Weg­gang von Micoud für Ihr Spiel eine große Umstel­lung?

Jo war ein außer­ge­wöhn­li­cher Fuß­baller – eine klas­si­sche 10. Diego ist auch eine 10, tech­nisch ist er min­des­tens gleich­wertig, aller­dings hatte er am Anfang noch eine andere Spiel­auf­fas­sung. Langsam hat er sich an unser System gewöhnt, hat weniger Ball­kon­takte und ist dadurch wesent­lich gefähr­li­cher.

Micoud ist eine 10, Diego auch. Was sind Sie?

Ich habe früher öfter den klas­si­schen Zehner im zen­tralen Mit­tel­feld gespielt. Aber ein Zehner mit 1,94 Meter ist schwer vor­stellbar. An und für sich sind das eher die abge­drehten, quir­ligen Spie­ler­typen um die 1,80 Meter.

Aber Sie haben doch trotzdem die Fäden in der Hand?

Sagen wir so: Ich habe Ansätze eines Zeh­ners und ich bin auf einem guten Weg noch mehr Fäden zu ziehen.

Wer hat auf dem Platz bei Werder das Sagen?

Meh­rere. Auf dem Platz gebe ich klare Anwei­sungen. Aber das gehört zu der Rolle, die ich spiele, genauso wie bei Torsten Frings, Frank Bau­mann und Miro Klose.

Wel­cher Spieler ist auf dem Platz der erste Ansprech­partner des Trai­ners?

Frank Bau­mann als Kapitän, Torsten Frings, ich auch. Der, der gerade vor­bei­läuft.

Auf dem Platz neigen Sie zu Wut­aus­brü­chen. Haben Sie eine cho­le­ri­sche Ader?

Das nicht, aber beim Sport bin ich kein ange­nehmer Typ. Bei einer fal­schen Schieds­rich­ter­ent­schei­dung oder einer ver­siebten Tor­chance, falle ich schon mal aus der Rolle.

Michael Bal­lack hat mit fast 30 den Wechsel ins Aus­land gewagt. Wann lockt Sie das große Geld? Sie haben in Bremen noch Ver­trag bis 2008.

Dann bin ich aber erst 28. Ich kann meinen letzten großen Ver­trag also auch noch nach der WM 2010 machen (lacht).

Das heißt, Sie ver­län­gern in Bremen.

Es ist nicht aus­ge­schlossen. In Bremen ent­wi­ckelt sich viel – nicht nur fuß­bal­le­risch. Auch das Sta­dion soll dem­nächst aus­ge­baut werden.

Trotzdem, bei Ihren Fähig­keiten müssen Sie sich doch auch finan­ziell an Michael Bal­lack ori­en­tieren. Und der ver­dient ein Viel­fa­ches von Ihrem Gehalt.

Wahr­schein­lich. Aber es ist doch ein offenes Geheimnis, dass Roman Abra­mo­witsch die Kohle wie wild raus­haut. Da kann Werder Bremen nicht mit­halten. Aber ich kann Sie beru­higen: Auch bei Werder kann man sich zweimal am Tag warmes Essen leisten.

Ist das die neue Bremer Genüg­sam­keit? Miroslav Klose hat auch ange­kün­digt, even­tuell noch einmal zu ver­län­gern?

Einer­seits finde ich den Gedanken reiz­voll, wie Marco Bode oder Dieter Eilts die Kar­riere in Bremen zu beenden. Ande­rer­seits finde ich auch den eng­li­schen oder spa­ni­schen Fuß­ball sehr inter­es­sant.

Wer hat das letzte Wort. Ihre Frau? Thomas Schaaf?

Naja, wo ich meine Kar­riere beende, ent­scheide ich selbst. Da bin ich ego­is­tisch genug (lächelt).

Haben Sie einen Traum­klub?

Lange war es der FC Bar­ce­lona.

Ent­spricht die spa­ni­sche Liga Ihrer Spiel­weise?

Spa­nien käme meiner Spiel­weise ziem­lich ent­gegen, Eng­land würde sicher auch passen.

Wie sehr fühlen Sie sich denn mit Werder ver­bunden?

Bremen ist mein Zuhause. Werder war schon vor dem Wechsel mit 16 mein Klub. Ich habe sogar in Werder-Bett­wä­sche geschlafen. Auch, wenn es mein Jugend­traum war, für Hansa Ros­tock zu spielen.

Bal­lack wurde beim Abschied vom FC Bayern aus­ge­pfiffen. Wie stellen Sie sich Ihren Abgang in Bremen vor?


Im Moment gar nicht. Und wenn, kommt es darauf an, wie man seinen Abgang vor­be­reitet. Michael ist es viel­leicht nicht ganz so gut gelungen, weil er seine Ent­schei­dung lange nicht bekannt gegeben hat, obwohl sie schon fest stand. Ich denke, wenn man mit Wech­sel­ab­sichten und den Gründen dafür offen umgeht, dass diese Fair­ness auch von den Fans hono­riert wird.

Könnten Sie sich vor­stellen, zu einem Klub wie dem FC Chelsea zu gehen, wo alles von dem Geld eines Mannes abhängt?

Es ist immer gefähr­lich, an den Fäden eines Geld­ge­bers zu hängen. So etwas ist bei der Kon­struk­tion von Werder Bremen gar nicht mög­lich. Aber ich bin sicher, dass sich auch Klaus Allofs einen Spon­so­ring­partner wie zum Bei­spiel Gaz­prom bei Schalke als Geld­geber vor­stellen könnte. Da fließt gutes Geld, aber denen gehört nicht gleich der ganze Klub.

Tim Borowski, wel­cher Spieler lenkt bei der WM 2010 das Spiel der deut­schen Mann­schaft?


Ich hätte nichts dagegen, wenn ich das machen würde.