»Es hat einen gewissen Reiz zu klären, wer denn der beste Ost­verein ist. Wir wollen bei diesem Ver­gleich ein Wört­chen mit­reden«, sagt Dirk Zin­gler, Prä­si­dent von Union Berlin. Wäh­rend der Auf­steiger mit moder­ni­siertem Sta­dion und fri­schem Geld selbst­be­wusst den Angriff sucht, pochen Bun­des­liga-Absteiger Energie Cottbus und der lang­jäh­rige Erst­li­gist Hansa Ros­tock auf ihre Vor­macht­stel­lung in den neuen Bun­des­län­dern.

»Union ist gerade erst in die zweite Liga auf­ge­stiegen und wird sich dort bewähren müssen. Wir und Ros­tock sind ihnen noch um einiges voraus´, sagt Energie-Prä­si­dent Ulrich Lepsch und betont: »Wir waren in den letzten Jahren der beste Ost­verein, denn wir haben die Fahne in der Bun­des­liga hoch­ge­halten.«

Hansa hält sich für den sym­pa­thischsten Verein

Auch Hansa-Boss Dirk Grabow bremst die Ber­liner verbal ein. »Als Auf­steiger müssen sie sich erst einmal eta­blieren. Das wird schwer genug«, sagt der Ros­to­cker Vor­stands­chef, der den Ver­gleich mit den beiden Ost-Rivalen nicht scheut: »Was die Sym­pa­thie betrifft, sind wir ganz klar die Nummer eins im Osten.« Belegt wird diese These von einer Studie des Ver­mark­ters sport­five. Dem­nach ist Hansa Ros­tock bei den Fuß­ball-Fans in ganz Deutsch­land der bekann­teste (79 Pro­zent) und sym­pa­thischste (22) Ost­klub. Union dagegen hat mit der Haupt­stadt im Rücken einen erheb­li­chen Standort-Vor­teil, zudem gilt der Verein als Kult­klub. Das größte Plus sind aber die treuen und lei­dens­fä­higen Fans, die das Sta­dion »Alte Förs­terei« größ­ten­teils mit eigenen Händen in ein Schmuck­käst­chen umge­baut und so dem Klub 2,5 Mil­lionen Euro Ersparnis gebracht haben. Doch Union-Boss Zin­gler sagt: »Fuß­ball wird auf dem Rasen gespielt und nicht auf den Rängen.«

Cottbus dürfte zumin­dest auf dem Papier über das stärkste Team ver­fügen. Die Abgänge der Leis­tungs­träger Ervin Skela, Dimitar Ran­gelow und Ivica Iliev konnten durch die Neu­zu­gänge Leo­nard Kweuke, Markus Brzenska und Roger kom­pen­siert werden. Bei Hansa blieb der mit vielen Talenten besetzte Kader größ­ten­teils zusammen. Bei Union setzt Trainer Uwe Neu­haus vor allem auf die Auf­stiegs­helden. Vor­teile haben die Ros­to­cker (16 Mil­lionen Euro) und Cott­buser (13) gegen­über den Ber­li­nern (12,2) auch bei der Höhe des Etats, da beide noch von ihrer lang­jäh­rigen Bun­des­liga-Zuge­hö­rig­keit pro­fi­tieren. »Struk­tu­rell und wirt­schaft­lich haben sie sicher noch einen Vor­sprung«, sagt Zin­gler. Doch finan­ziell befinden sich die »Eisernen« bereits auf der Über­hol­spur. Der neue Haupt­sponsor (Inter­na­tional Sport Promotion/​ISP) spült jähr­lich zwei Mil­lionen Euro in die Kasse. Hansa und Energie dagegen suchen seit Wochen nach einem neuen Tri­kot­sponsor. Zuletzt hatte die Ver­mark­tungs­agentur Infront per Anzeige beide Klubs sogar im Dop­pel­pack ange­boten.