Was ist neu?
Die Geld­geber. Und wir würden, Obacht hehe, jede Wette ein­gehen, dass damit viele Fans nicht so richtig zufrieden sind. Neuer Haupt­sponsor beim VfB ist Winamax, ein fran­zö­si­scher Wett­an­bieter, dessen Name in Zukunft auch den tra­di­tio­nellen Brust­ring auf dem Trikot ver­schan­deln ähh zieren wird. Doch damit nicht genug: Mit Joker­star prä­sen­tierte der VfB in diesen Tagen gleich noch ein zweites Glücks­spiel­un­ter­nehmen als Pre­mium-Partner, was die Ayayay-ist-das-pein­lich-Quote unter den VfB-Spon­soren direkt ver­dop­pelte. Man kann also fast von Glück reden, dass mit Cra­zy­buzzer nicht noch ein drittes Online-Kasino seine dre­ckige Kohle in Stutt­gart waschen wird. Fest steht: Mit den Ent­schei­dungen haben die VfB-Bosse bei den eigenen Fans jede Menge Kredit ver­spielt, die Bezie­hung geht also mit einer Art, Hüstel, Han­dicap in die neue Saison. Apropos neue Saison: Bis zum Start dürfte auch end­lich Por­sche als neuer Investor ein­ge­stiegen sein, ins­ge­samt 100 Mil­lionen Euro will das Unter­nehmen in den kom­menden Jahren in den Verein pumpen. Zudem erkauft sich Por­sche-Tochter MHP für zehn Jahren die Namens­rechte am Sta­dion. Zwar gibt es in Bezug auf den Por­sche-Deal noch offene Fragen, doch Vor­stands­chef Alex­ander Wehrle ver­sprüht Opti­mismus: ​Es sind nach wie vor for­mal­ju­ris­ti­sche Details zu klären, bis das Clo­sing abge­schlossen werden kann. Wir sind da aber in einem guten Aus­tausch. Es sind keine Stopper oder Dealb­reaker mehr zu befürchten.“ Und nun ent­schul­digt uns einen Moment, wir müssen uns die Hände waschen, nachdem wir so viele schmut­zige Buz­zwords in unsere Tas­tatur gehackt haben. Bis gleich.

Was macht Hoff­nung?
Der Trainer und sein Kader. Also Stand jetzt. Noch sind alle Stars da, bis auf Tiago Tomas wird keiner der fest­ste­henden Abgänge sport­lich ver­misst werden. Und sollte der Verein es tat­säch­lich schaffen, Kon­stan­tinos Mavro­panos, Borna Sosa, Hiroki Ito und vor allem Serhou Gui­rassy zu halten (oder zumin­dest zwei oder drei der vier Spieler), ginge Stutt­gart mit dem wohl stärksten Kader seit dem Wie­der­auf­stieg 2020 ins Rennen. Was auch daran liegt, dass die Mann­schaft von Sport­di­rektor Fabian Wohl­ge­muth gezielt aus­ge­bes­sert wurde. Für die Offen­sive kam Deniz Undav, der bei Brighton & Hove Albion zwar nicht viel gespielt, aber trotzdem ver­läss­lich getroffen hat. Undev ist anders als Gui­rassy kein reiner Straf­raum­stürmer, er kann seine Mit­spieler ein­setzen, ist wuselig und kreativ. Mit ihm könnte dem VfB ein echter Coup gelungen sein – auch wenn er die ersten Sai­son­wo­chen ver­letzt ver­passen wird. Das Tor hüten darf Alex­ander Nübel, der genau wie Undav für ein Jahr aus­ge­liehen wurde und hinten drin für die seit dem Kobel-Abgang bitter nötige Sta­bi­lität sorgen soll. Mit Lewe­ling, Mit­tel­städt und Jeong kamen zudem drei junge und gleich­zeitig erfah­rene Bun­des­li­ga­profis. Wenn man bedenkt, dass Stutt­gart unter Sebas­tian Hoeneß von zwölf Pflicht­spielen sechs gewonnen und nur zwei ver­loren hat, ganz gemüt­lich durch die Rele­ga­tion spa­ziert ist und in Füh­rich, Silas, Vagnoman und vor allem Millot auch Nicht-Neu­zu­gänge noch eine Schippe drauf legen könnten, wird einem fast warm ums Herz. Oder wie man auf der Ever­green dachte, als man in den Suez­kanal ein­ge­fahren ist: das passt.

Was nicht?
Der 11. August und die Füh­rungs­etage. Die Sache mit dem 11. August ist schnell erzählt. Bis heute können Ver­eine (angeb­lich) die Aus­stiegs­klausel von Gui­rassy ziehen, bis dahin könnte es also sein, dass der erst im Sommer fest ver­pflich­tete Knipser den Abflug macht. Immerhin hätte der Verein dann noch fast zwei Wochen Zeit, um zu reagieren. Und ver­mut­lich auch das nötige Klein­geld. Was die Füh­rungs­etage betrifft, ging es in den ver­gan­genen Jahren beim VfB aggres­siver zu als auf einem durch­schnitt­li­chen Trai­nings­lager-Aus­flug von Marius Gers­beck. Mislintat gegen Wehrle, Wehrle gegen Mislintat, Hitzl­sperger gegen Vogt, Vogt gegen Hitzl­sperger: beim VfB wurde gestritten und gezankt, auf Ent­schul­di­gungen für das Schla­massel war­tete man ver­geb­li­cher als in einem 70.000-Zeichen-Entschuldigungs-Text von Julian Wolff. Zwar scheint aktuell zumin­dest etwas Ruhe ein­ge­kehrt zu sein, auch weil Sport­di­rektor Fabian Wohl­ge­muth bisher einen guten Job macht. Doch mit dem VfB ist es wie mit dem Pazi­fi­schen Feu­er­ring: Das nächste Beben kommt bestimmt.

Mit dieser Skandal-Schlag­zeile berichtet die BILD in vier Wochen über den Verein:
Stutt­gart dank Clan-Mit­glied kri­mi­nell gut: So dreist lässt Hoeneß Fuß­ball spielen!

Das 11FREUNDE-Orakel:
Der VfB hat mit dem Abstieg in dieser Saison nichts zu tun und schnup­pert zwi­schen­zeit­lich sogar an der Con­fe­rence League. Wird zwar nichts, aber Platz 10 ist ja auch nicht ver­kehrt.