Markus Krapf, Sie haben in den Jahren 2002 bis 2006 als Geschäfts­führer des FCA an der Seite von Walther Seinsch Kär­ner­ar­beit für den Auf­stieg in den bezahlten Fuß­ball geleistet. Was haben Sie aus Ihrer mehr­jäh­rigen Zusam­men­ar­beit mit FCA-Patri­ar­chen mit­ge­nommen, das Ihnen nun die Arbeit als neuer Prä­si­dent erleich­tert?
Dass man in einem Verein nie über, son­dern immer mit­ein­ander reden sollte. Und dass man die Dinge, wenn man etwas ver­än­dern will, anpa­cken muss.

Als Sie vom Auf­sichtsrat des FC Augs­burg Anfang Sep­tember zum neuen Ver­eins­prä­si­denten bestellt wurden, nannten Sie als wich­tigstes Ziel, den Dialog auf allen Ebenen des Klubs zu för­dern. Warum ist das so nötig?
Weil sich vielen Mit­glie­dern und auch mir zuletzt zuneh­mend den Ein­druck auf­drängte, dass nicht gut kom­mu­ni­ziert wurde. Bei vielen Anhän­gern hat dar­über das Inter­esse am Klub nach­ge­lassen. Als Prä­si­dent sehe ich es des­halb als meine Auf­gabe an, den Leuten wieder zu signa­li­sieren, dass es hier nichts zu ver­heim­li­chen gibt und dass der Verein in alle Rich­tungen offen ist.

Wie wollen Sie das hin­kriegen?
Indem ich die losen Enden zusam­men­führe und mit allen, wirk­lich allen, die es möchten, kom­mu­ni­ziere. In den ersten Wochen meiner Prä­si­dent­schaft habe ich mich mit Mit­glie­dern, aktiven Fans, Spon­soren, Inves­toren und Zuschauern unter­halten, teil­weise auch runde Tische gebildet, um schnell Dinge anzu­stoßen, die dem Verein und auch den Men­schen wichtig sind.

Wie erklären Sie sich als alt­ge­dienter FCA-Mit­ar­beiter, dass nach elf Jahren Bun­des­liga plötz­lich so viel Miss­trauen im und um den Klub herrscht?
Miss­trauen ist viel­leicht ein biss­chen zu viel gesagt, aber mein Vor­gänger hat nicht in Augs­burg gewohnt und die Strö­mungen im und um den Verein oft nur aus zweiter und dritter Hand mit­be­kommen. Wenn man keinen direkten Bezug zur Stadt hat, ist es schwierig, eine Nähe zu den Leuten auf­zu­bauen.

Es wurde nicht mehr mit, son­dern nur noch über­ein­ander geredet“

Ihr Vor­gänger Klaus Hof­mann war in Per­so­nal­union Prä­si­dent und Vor­sit­zender der Inves­to­ren­gruppe. Letz­tere Funk­tion hat er nach wie vor inne. Hof­mann nahm für sich stets in Anspruch, mit vollem Herzen beim FCA zu sein.
Wenn man ihn im Sta­dion erlebt hat, dann war das sicher auch so. Aber seine beruf­li­chen Ver­pflich­tungen haben dazu bei­getragen, dass er nicht oft vor Ort war. Mein Vor­teil ist es, dass ich seit meiner Geburt hier in Augs­burg lebe. Mich kann man in der Stadt anspre­chen und ich bin auch bereit, in den offenen Dialog zu gehen. Auch unser neuer Trainer Enno Maaßen ist übri­gens sehr zugäng­lich und bereit, die Men­schen mit­zu­nehmen. Diese Offen­heit und Nah­bar­keit sind sicher ein deut­li­cher Unter­schied zu unseren beiden Vor­gän­gern, der dem FC Augs­burg guttut.

Mit anderen Worten: Das Gefühl von Intrans­pa­renz und Heim­lich­tuerei, das unter anderem auch in der schlechten Kom­mu­ni­ka­tion beim Ein­stieg des US-Inves­tors David Blitzer offen­kundig wurde, haben vor allem Klaus Hof­mann und Markus Wein­zierl zu ver­ant­worten?
Es geht über­haupt nicht darum, wer die Schuld hat, son­dern wie wir wieder Ver­trauen auf­bauen. Fakt ist: Die Kom­mu­ni­ka­tion zum Umfeld war zuletzt ein­ge­schränkt oder hat fast gar nicht statt­ge­funden. Das kann ich als lang­jäh­riges Mit­glied aus eigener Erfah­rung sagen. Ich war unzu­frieden mit der Situa­tion und als Prä­si­dent – also als oberster Ver­treter von 21 500 Ver­eins­mit­glie­dern – werde ich nun alles dafür tun, dass sich diese Situa­tion ändert und wir nicht mehr zurück, son­dern nach vorn schauen können.

Am Sai­son­ende 2021/22 erlebte der FCA das blanke Chaos. Binnen 48 Stunden traten völlig uner­wartet erst Klaus Hof­mann als Prä­si­dent und anschlie­ßend vor lau­fender Kamera auch Markus Wein­zierl als Trainer zurück. Haben Sie eine Erklä­rung, wie es soweit kommen konnte?
Es wurde zum Schluss offen­sicht­lich nicht mehr mit, son­dern nur noch über­ein­ander geredet. Des­wegen ist es mir auch so wichtig, dass wir in Zukunft in ver­schie­denen For­maten regel­mäßig zusam­men­kommen, um Mög­lich­keiten zu schaffen, uns direkt ins Gesicht zu sagen, was wir über­ein­ander denken oder was sich ändern muss, um dann die Dinge in die rich­tige Rich­tung zu lenken. Das gilt für alle Inter­es­sens­gruppen.

Meine Frau sagte: Krapf, mach das!“

Ihre Gattin Irene ist FCA-Ehren­rats­mit­glied und betreibt die Ver­eins­gast­stätte am Rosen­au­sta­dion. Was hat Sie gesagt, als der Auf­sichtsrat Ihnen vor­schlug, Prä­si­dent zu werden?
Wir haben uns vor 20 Jahren beim FCA ken­nen­ge­lernt. Ihr liegt das Wohl des Klubs ebenso am Herzen wie mir. Als sich die Frage stellte, sagte Irene nur: ​Krapf“, wie sie mich lie­be­voll nennt, ​mach das! Und bitte mach es auf deine Art, dann wird der Klub davon pro­fi­tieren.”

Am Ende seiner Amts­zeit sahen viele in Augs­burg Klaus Hof­mann, der einst als cooler Fan-Prä­si­dent antrat, als Buh­mann an, weil er gleich­zeitig als Investor auch wirt­schaft­liche Inter­essen beim FCA ver­folgte. Wie groß ist die Gefahr, dass auch Sie als Prä­si­dent mit Ihren Zielen schei­tern und am Ende als Ver­lierer dastehen?
Davor habe ich keine Angst, denn alles was ich sage, meine ich auch genauso. Nochmal: Ich bin gebür­tiger Augs­burger, ich lebe seit 50 Jahren hier und war nie länger als sechs Wochen am Stück weg aus dieser wun­der­schönen Stadt. Ich muss mich daran messen lassen, was ich von mir gebe, um mor­gens in den Spiegel schauen zu können. Das bin ich nicht nur dem FCA, son­dern auch meiner Familie und mir schuldig.