Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia? Oder singen am Ende doch die Superbayern, Superbayern Hey! Hey? Fünf Spieltage vor Schluss ist das Meisterrennen offen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der BVB geht sogar mit einem vermeintlichen Vorteil in den Endspurt. Die Bayern sind aber immer noch die Bayern. Schon klar: Entscheidend is auf’m Platz. Und trotzdem. In der Theorie stehen die Chancen so:
Restprogramm
Borussia Dortmund
Fünf Spiele muss der BVB noch gewinnen, dann sind die Dortmunder aus eigener Kraft Deutscher Meister. Wie schwierig kann das schon werden? Auf den ersten Blick scheinen die kommenden Aufgaben machbar. Gegen die nominell härteren Gegner aus Wolfsburg, Gladbach und Mainz spielt der BVB noch zuhause im Westfalenstadion. Im Derby gegen Bochum ist Borussia Dortmund Favorit, genauso wie beim Spiel in Augsburg. Klar ist aber auch: Es wäre nicht der BVB der letzten Jahre, wenn er nicht noch irgendwo Punkte liegen lassen würde. Stichwort Mentalitätsscheiße.
Bayern München
Einfacher sieht es für den FC Bayern aus, der quasi noch gegen den halben Tabellenkeller ran darf. In die Duelle mit Hertha, Schalke, Köln und Bremen geht der Rekordmeister naturgemäß als Favorit – trotz der gegenwärtigen Ergebniskrise. Denn wollen die Bayern die elfte Deutsche Meisterschaft in Folge eintüten, wäre jeder Punktverlust eine Katastrophe. Ein letzter Fallstrick könnte sich allerdings am vorletzten Spieltag spannen: Mit einem Sieg in München könnte ausgerechnet RB Leipzig die Dominanz der Bayern brechen. Und vielen deutschen Fußballfans damit zum ersten Mal einen echten Gefall… hahahahaha. Naja.
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Aktuelle Form
Borussia Dortmund
Nach einer maximal mittelmäßigen ersten Saisonhälfte und neun Punkten Rückstand auf die Bayern kam der BVB nach der WM immer besser in Fahrt, gewann zehn Spiele in Folge und führt die Rückrundentabelle an. Sind die Schwarz-Gelben also besser in Form als die Frisur von Mats Hummels? Nicht ganz. Neben dem Ausscheiden in Champions League und DFB-Pokal verliefen vor allem die Duelle mit Schalke, Bayern München und Stuttgart nicht nach Plan. Diese drei Spiele ausgeklammert, spielt der BVB aber stark wie selten zuvor. Das zeigt auch die Historie: Mehr Punkte nach 29 Spielen hatte die Borussia erst viermal in der Vereinsgeschichte. Zwei Gründe für die gute Form sind die Leistungsexplosionen von Raphael Guerreiro und Donyell Malen. Guerreiro ist als Linksverteidiger bester Scorer beim BVB – zwölf seiner 15 Torbeteiligungen sammelte er in der Rückrunde. Malen gelangen neun Scorerpunkte in den letzten fünf Spielen.
Bayern München
Bei den Bayern geht der Trend in eine andere Richtung. Seit der Amtsübernahme durch Thomas Tuchel holten die Bayern nur zwei Siege aus sieben Spielen, darunter das Aus im DFB-Pokal und in der Champions League. Damit hat Tuchel den schlechtesten Punkteschnitt aller Bayern-Trainer seit den 1950er-Jahren – und der Rekordmeister ernste Probleme. Sinnbild dieser Entwicklung ist Dayot Upamecano, der sich seit dem Abgang von Julian Nagelsmann mehr Schnitzer leistet als gut laufende Tischlerei-Betriebe. Allerdings: Ganz so mies, wie es die Ergebnisse vermuten lassen, spielten die Münchener nicht. Nur in Mainz und im Hinspiel bei Manchester City hatten sie einen niedrigeren Expected-Goals-Wert als ihr Gegner. Und die spielerische Qualität, um die verbleibenden fünf Bundesligaspiele zu gewinnen, haben die Bayern sowieso.
Verletztenliste
Borussia Dortmund
Edin Terzic dürfte sich beim Aufstellen seiner Mannschaft aktuell wie Julian Nagelsmann vor dem Kleiderschrank fühlen – er hat eine ziemlich große Auswahl. So fehlt mit Nico Schlotterbeck im Moment nur ein einziger Stammspieler verletzt, ansonsten kann der BVB aus den Vollen schöpfen.
Bayern München
Der FC Bayern muss hingegen zur Zeit mehr Ausfälle verkraften als Pendler im öffentlichen Nahverkehr: Mit Manuel Neuer, Lucas Hernández und jetzt auch Alphonso Davies stehen den Münchenern im Saisonendspurt gleich drei nominelle Stammkräfte nicht zur Verfügung. Und auch bei Eric Maxim Choupo-Moting, dem einzigen echten Mittelstürmer im Kader, ist nicht klar, wann er wieder fit wird. Weitere Ausfälle gilt es da tunlichst zu vermeiden – zumal Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Matthijs de Ligt und Leroy Sané allesamt schon bei vier Gelben Karten stehen.
Kabinenplaylist
Borussia Dortmund
Genauso wichtig wie die Leistung auf dem Platz ist eine gute Einstellung. Und die steht und fällt bekanntlich mit der Musik, die in der Kabine gespielt wird. Bei Borussia Dortmund ist Raphael Guerreiro Kabinen-DJ, weil der am besten auflegen kann. Hoch im Kurs stehen bei den Borussen Klassiker wie „Don’t Stop Me Now“, „Wind Of Change“ oder „Wouldn’t It Be Nice“. Beim dritten Mal „Hey Jude“ in Folge kommen bei Bellingham allerdings Zweifel auf: „Should I Stay or Should I Go?“
Bayern München
In der Kabine der Bayern hingegen läuft Radio Mané – und sorgt für eine hohe Schlagzahl an Hits. Von „Club Can’t Handle Me“ über „Under Pressure“ bis hin zu „We Are the Champions“ in Dauerschleife ist alles dabei. Leroy Sané singt lauthals zu „Hit Me Baby One More Time“ mit, für Manuel Neuer läuft „Wake Me Up When September Ends“. Weil dann seine Verletzung auskuriert ist. Und der Sommer endlich endet.