Es ist eine unge­schrie­bene Regel des Welt­fuß­balls, dass große Teams selten länger als drei bis vier Jahre an der Spitze bleiben. Danach zer­fallen sie langsam, aber stetig. So war es beim großen Inter der 60er, bei Ajax in den 70ern und auch beim deut­schen Cham­pions-League-Sieger aus Dort­mund in den 90ern. Eine Spiel­idee über Jahre und Titel hinweg mit der glei­chen Lei­den­schaft zu ver­folgen, ist phy­sisch und psy­chisch kaum machbar.

Auch das große Barca des neuen Jahr­tau­sends schien bereits am Ende ange­langt zu sein. Das Team, das unter Guar­diola Titel um Titel gewann gewann, konnte in der Post-Pep-Zeit nie an diese großen Leis­tungen anknüpfen. Im ver­gan­genen Jahr unter Trainer Tata Mar­tino war das tiki taka nur noch ein Schatten seiner selbst. Sogar Lionel Messi, der in Bar­ce­lona über allem schwebt, wirkte über weite Stre­cken der vorigen Saison plötz­lich irdisch.

Enri­ques 4−3−3

Und dann kam Luiz Enrique. Er baute das Barca-Team an kleinen, aber feinen Bau­stellen um – und machte es wieder zum welt­weit beach­teten Bench­mark für guten Fuß­ball. Lionel Messi & Co. zau­bern sich wie in besten Zeiten durch die geg­ne­ri­schen Abwehr­reihen und pul­ve­ri­sieren Rekord um Rekord.

Enrique hat Barca nicht ver­zau­bert oder ver­hext, son­dern kehrte ledig­lich zur Klub-DNA zurück: Barca spielt im hol­län­di­schen 4 – 3‑3-System, mit zwei Dribb­lern auf dem Flügel und mit Suarez als klas­si­schem Stoß­stürmer. Der Teufel liegt wie so oft im Detail.

Neue Spiel­an­lage

Natür­lich ist Bar­ce­lona noch immer ein Ball­be­sitz­team, doch ihre Spiel­an­lage hat sich merk­lich gewan­delt. Es wird schneller gespielt, direkter der Weg in die Spitze gesucht. Barca ist nicht mehr abon­niert auf das Spiel durch das Zen­trum, es wird öfter der Weg über die Flügel gesucht.

Eine Per­so­nalie unter­streicht diese Ände­rung am stärksten: Tiki-Taka-Alt­meister Xavi verlor in dieser Saison seinen Stamm­platz, für ihn spielt Ex-Schalker Ivan Rakitic im Mit­tel­feld. Rakitic sam­melt nicht wie Xavi Pässe, spielt aber sehr mann­schafts­dien­lich. Er rückt häufig nach vorne oder auf die Flügel, um seinen Mit­spie­lern Sprints in die Tiefe oder Läufe ins Zen­trum zu ermög­li­chen. Mit Rakitic hat das Spiel von Barca an Geschwin­dig­keit gewonnen.