Herr Brdaric, Was macht das lädierte Knie?

Ich hoffe, dass es in kurzer Zeit all­tags­taug­lich wird, das heißt, dass ich wieder wie jeder andere Mensch mal spa­zieren gehen kann, ohne dass es anschwillt.

Laut »Bild« erhalten Sie von Ihrer Inva­li­di­täts­ver­si­che­rung eine Mil­lion Euro netto Ent­schä­di­gung. Was ist dran an dieser Mel­dung?

Ich erhalte von meiner Inva­li­di­täts­ver­si­che­rung CIV eine Summe, aber die spe­ku­lierten Zahlen sind falsch. Ich möchte in dem Zusam­men­hang meinem Ver­si­che­rungs­makler AON Jauch & Hübner, ins­be­son­dere Herrn Kai Bockel­mann meinen Dank aus­spre­chen. Die Ver­si­che­rung hat sofort und unkom­pli­ziert ihre Leis­tungen erbracht.

Auf der einen Seite eine finan­zi­elle Absi­che­rung, auf der anderen Seite das sport­liche Kar­rie­re­ende. Haben Sie ein lachendes und ein wei­nendes Auge?

Als Fuß­ball­profi möchte man am liebsten nie auf­hören mit dem Beruf, aber irgend­wann ist die kri­ti­sche Grenze sowieso erreicht. Du kannst nicht bis ins hohe Alter Leis­tungen auf höchstem Niveau bringen. Ich hätte sicher­lich noch gerne zwei bis drei Jahre gespielt, aber das Kar­rie­re­ende war irgendwie greifbar. Ich hätte sicher nicht wie viele andere nochmal den Schritt in die Zweite oder Dritte Liga gemacht. Ich freue mich dar­über, dass ich einen Teil meines Ein­kom­mens besonnen in diese Ver­si­che­rung inves­tiert habe, das macht mir den Über­gang ins nor­male Leben jetzt erheb­lich leichter.

Wie geht es für Sie in Zukunft weiter, welche Pläne haben Sie?

Ab Mitte Oktober werde ich ein beruf­li­ches Reh­a­pro­gramm in Zusam­men­ar­beit mit der Ver­wal­tungs-Berufs­ge­nos­sen­schaft absol­vieren. Ich hoffe mal, dass ich in meinem neuen Wahl­beruf als Fuß­ball­trainer vielen jungen Talenten und Profis meine Erfah­rungen aus den vielen Jahren als Fuß­ball­profi wei­ter­geben kann.

Haben Sie den Aus­stieg aus dem Pro­fi­ge­schäft schon rea­li­siert?

Ich bin mir meiner Situa­tion bewusst, ich hatte ja wäh­rend meiner Ver­let­zungs­zeit von 18 Monaten genü­gend Zeit, mich damit zu befassen.

Kann die finan­zi­elle Ent­schä­di­gung den Ver­lust des Berufes auf­wiegen?

Nein, aber wie schon gesagt, irgend­wann endet jede Kar­riere.

Wie ist das Ver­hältnis zu Ihrem letzten Verein Han­nover 96? Haben Sie noch Kon­takt zu Spie­lern oder Ver­ant­wort­li­chen?

Natür­lich, Han­nover 96 war ein Abschnitt in meiner Kar­riere, aber auch nach Wolfs­burg, Lever­kusen, For­tuna Köln und Düs­sel­dorf pflege ich meine Kon­takte und natür­lich auch zu vielen Jungs mit denen ich früher als Mit – oder als Gegen­spieler auf dem Platz gestanden habe.

Neben der finan­zi­ellen Unter­stüt­zung erhalten Sie von der Berufs­ge­nos­sen­schaft die Finan­zie­rung einer Umschu­lung zum Trainer. Sehen Sie Ihre Zukunft auf der Trai­ner­bank?

Ja, das wird sich zeigen, ich bin mir ganz sicher, dass ich ein guter Trainer werde.

Hinter Ihnen liegen mehr als andert­halb Jahre voller Ver­let­zungen und Schmerzen. Haben Sie es zwi­schen­durch bereut, pro­fes­sio­nell Sport zu betreiben?

Nein, nie.

Bestimmt gibt es in einer sol­chen Zeit Phasen, in denen man durch­hängt. Wie konnten Sie sich immer wieder für die Reha-Maß­nahmen moti­vieren?

Der unbe­dingte Wille wieder auf dem Platz stehen zu wollen recht­fer­tigt jede Reha-Maß­nahme. Einen rich­tigen Durch­hänger hatte ich nie, wenn­gleich es manchmal schwer war.

Wie haben Ihre ehe­ma­ligen Mann­schafts­kol­legen auf die lange Ver­let­zungs­pause reagiert? Gab es von ihrer Seite Unter­stüt­zung?

Am Anfang schon, aber wenn Du mal länger raus bist, dann gerätst Du auch mal schnell in Ver­ges­sen­heit. Aber es ist wie immer im Leben, Du fin­dest auch Freunde, und die küm­mern sich halt auch um Dich, wenn Du nicht gerade oben bist. Und ich habe schon ein paar Freunde im Fuß­ball gefunden.

Gibt es Men­schen, zu denen Sie jetzt eine andere Bezie­hung haben als vor der Ver­let­zung?

Ja, die meisten Bezie­hungen ändern sich, wenn sich Dein Status ändert.

Wenn Sie in die Zukunft bli­cken: Sind Sie eher opti­mis­tisch oder pes­si­mis­tisch?

Ich bin ganz sicher, dass man mich wieder in der Bun­des­liga sieht, halt in anderer Funk­tion… ich bin sehr opti­mis­tisch!

Was machen Sie am nächsten Spieltag?

Fuß­ball schauen, diesmal aber mit meinen beiden Jungs zu Hause vorm Fern­seher.