Am Ende sucht Spiel­füh­rerin Alex­andra Popp nach Erklä­rungen für das frühe Aus­scheiden: ​Viel­leicht waren wir ein­fach nicht optimal vor­be­reitet.“ Diese völlig unter­trie­bene Aus­sage steht für den gesamten Ein­druck, den die zweite Staffel der ​Born for this – mehr als Fußball“-Dokumentation ver­mit­telt. Diese Doku-Reihe beglei­tete die Natio­nal­mann­schaft der Frauen erst­mals im Rahmen der Euro­pa­meis­ter­schaft 2022 in Eng­land. Die erste Staffel wurde damals im ARD aus­ge­strahlt. Die vom ZDF aus­ge­strahlte zweite Staffel zeigt in der ersten Folge, die bereits im Juli erscheinen ist, wie die Mann­schaft mit dem ver­lo­renen EM-Finale 2022 umge­gangen ist. Die drei wei­teren nun erschie­nenen Folgen zeigen den Weg der Mann­schaft seit März 2023 und über die gesamte Zeit der Welt­meis­ter­schaft in Aus­tra­lien und Neu­see­land im Sommer. 

Der Film doku­men­tiert die schlechten Leis­tungen in den WM-Vor­be­rei­tungs­spielen gegen die Nie­der­lande und Bra­si­lien. Er zeigt die Unsi­cher­heiten inner­halb des Teams in Bezug auf die Kader­no­mi­nie­rung und die ersten orga­ni­sa­to­ri­schen Pro­bleme, bei­spiels­weise das ver­spä­tete Erscheinen der Spie­le­rinnen des FC Bayern Mün­chen im Trai­nings­lager – ent­gegen der Abspra­chen mit dem DFB. Der Film zeigt aber vor allem: Alles deutet von Beginn an auf ein WM-Desaster hin. Was sich im wei­teren Ver­lauf dann auch bestä­tigt.

Mit Team­buil­ding hatte das wenig zu tun“

Nach dem letzten WM-Test gegen Sambia, einer Nie­der­lage in letzter Sekunde, ant­wortet Lina Magull auf die Frage, wo die DFB-Elf stehe, iro­nisch mit ​auf dem Abstell­gleis“. Dass dies schon so bald auf sie selbst zutreffen würde, hätte sie damals ver­mut­lich nicht gedacht. Die zen­trale Mit­tel­feld­spie­lerin, die sich als Füh­rungs­per­sön­lich­keit im Team sieht, saß im letzten und ent­schei­denen Spiel über­ra­schend über die vollen 90 Minuten auf der Bank. Aber auch auf die Mann­schaft bezogen wirkt ihre Aus­sage im Nach­hinein nicht mehr iro­nisch, son­dern äußerst zutref­fend. 

Zum Zeit­punkt ihrer Äuße­rung ist das Trai­nings­lager der Natio­nal­mann­schaft in Her­zo­gen­au­rach schon in vollem Gange. Anders als üblich steht der Kader für die WM vor diesem Trai­nings­lager noch nicht fest. Die Selek­tion findet im Trai­nings­lager statt, sodass in den Wochen immer wieder Spie­le­rinnen abreisen, die keinen Kader­platz erhalten. Dieses Ver­fahren mit Cas­ting-Show-Cha­rakter sorgt für großen Unmut inner­halb des Teams und ver­hin­dert fast jeg­liche Form von Team­buil­ding. Alex­andra Popp erzählt später, dass einige Spie­le­rinnen Angst davor gehabt hätten, Fehler im Trai­ning zu machen, wäh­rend andere völlig ​over­paced“ hätten, um sich zu beweisen – und dadurch unge­wöhn­lich viele Fehler gemacht hätten. ​Das hat man der Mann­schaft auch an der Qua­lität im Trai­ning und den Spielen ange­sehen“, so Popp. Laut Lina Magull wirkte sich das Prinzip nicht nur auf die Qua­lität, son­dern auch auf die Atmo­sphäre aus: ​Ich hatte im Trai­nings­lager nicht immer das Gefühl, dass wir ein Team sind, da alle sich ins Blick­feld spielen wollten. Mit Team­buil­ding hatte das wenig zu tun.“ 

Auch Laura Frei­gang sagt später, sie sei kein Fan von der Situa­tion im Trai­nings­lager gewesen. Es wäre komisch gewesen, dass nach und nach Spie­le­rinnen abge­reist seien und sie habe nicht das Gefühl gehabt, dass diese Form der Kad­er­zu­sam­men­stel­lung der Gesamt­si­tua­tion zuträg­lich gewesen sei. Die sport­li­chen Aus­wir­kungen waren auch von außen deut­lich zu sehen. Man merkte der Mann­schaft an, dass sie sich im Trai­ning nicht für das bevor­ste­hende Tur­nier hatte ein­spielen können.

Pro­bleme auf und neben dem Platz

Auch in Aus­tra­lien ist die Stim­mung schon vor der ersten gespielten Minute mies. Auf dem Weg zum ​Base-Camp“ ent­fa­chen Kän­gurus, die in Vor­gärten herum springen, zwar noch Ekstase im Mann­schaftsbus, kurze Zeit später wird aber klar, dass die länd­liche Lage mehr Nach- als Vor­teile mit sich bringt. Das Res­sort der Natio­nal­mann­schaft liegt weit ab vom Schuss, wodurch die Spie­le­rinnen ohne Auto keine Geschäfte oder Cafés außer­halb des Geländes errei­chen können. Lea Schüller und Alex­andra Popp bemän­geln später, dass sie sich ​ein­ge­sperrt“ gefühlt und mehr Frei­heit gewünscht hätten. Was beim Zuschauer Fragen her­vor­ruft: Warum wurde das Thema nicht im Vor­hinein kom­mu­ni­ziert, warum fiel es erst dann auf, als das Team bereits einmal halb um den Globus geflogen ist? Auch dass es keinen Team­treff­punkt gegeben hätte, wodurch die Spie­le­rinnen sehr viel Zeit auf den eigenen Zim­mern ver­brachten, habe sich laut Popp negativ auf den Zusam­men­halt inner­halb der Truppe aus­ge­wirkt.