Vor knapp einem Monat erklärte Thomas Müller in aller Aus­führ­lich­keit, was eigent­lich das Münchner Motto ​Mia san Mia“ bedeutet. Für den Spieler vom FC Bayern sei das eine extreme Sie­ger­men­ta­lität – und harte Arbeit. Zur Kultur des FC Bayern zählt das Mia san Mia genauso wie die Tro­phäen, an denen der Erfolg in Mün­chen gemessen wird.

Aller­dings scheint den Bayern dieser stets bemühte Leit­satz abhan­den­ge­kommen zu sein. Denn in dieser Saison ist der Rekord­meister so angreifbar wie schon lange nicht mehr. Das ver­deut­lichte der Sieg des SC Frei­burg am Dienstag im Pokal­vier­tel­fi­nale über Bayern nur einmal mehr. Die Gier auf Erfolge und Titel ist nicht mehr in jedem Spiel erkennbar, genauso wenig die Lei­den­schaft und Emo­tio­na­lität, die das Mia san Mia aus­macht.

In Top­spielen wie gegen Paris St. Ger­main in der Cham­pions League oder gegen Borussia Dort­mund in der Bun­des­liga sind diese Attri­bute zwar noch vor­handen, doch die Kon­stanz fehlt. Da können dann auch mal klei­nere Ver­eine wie Borussia Mön­chen­glad­bach, der FC Augs­burg, VfB Stutt­gart oder der 1. FC Köln den Münch­nern Punkte abluchsen. Oder eben wie Frei­burg das Ticket ins Halb­fi­nale. Über­ra­schungen gegen den Rekord­meister gab es schon immer, doch in dieser Saison häufen sie sich. Dass Bayern nach dem Sieg über Dort­mund Meister wird, ist daher noch lange nicht sicher.

Viel­leicht liegt das Pro­blem nicht auf der Trai­ner­po­si­tion

Genau jetzt ist doch eigent­lich die Zeit, in der der FCB spä­tes­tens auf­dreht und jeg­liche Zweifel an einer Unfehl­bar­keit zunich­te­macht. In dieser Spiel­zeit war Bayern sogar noch im Pokal­wett­be­werb ver­treten und die Hoff­nung von Oliver Kahn und Co auf das Triple groß. Doch nach der Nie­der­lage gegen Frei­burg ist es damit vorbei und auch Müller ​emo­tional wieder auf dem Boden der Tat­sa­chen ange­kommen“.

Ein Wun­der­trainer, den die Ver­ant­wort­li­chen bei Bayern Mün­chen scheinbar in Thomas Tuchel sehen, kann natür­lich auch nicht plötz­lich die Kon­stanz her­bei­führen, nach der sich alle an der Säbener Straße sehnen. Und viel­leicht sollte man sich in der Münchner Geschäfts­stelle eher fragen, ob wirk­lich Julian Nagels­mann das Pro­blem war oder viel­mehr das nicht mehr vor­han­dene Mia-San-Mia-Gefühl der Bayern-Profis.

Viel­leicht oder wahr­schein­lich sogar gewinnt Bayern am Samstag mit ordent­lich Wut im Bauch 5:0 in Frei­burg wie im Liga­hin­spiel, doch dann kommt Hof­fen­heim und danach geht es nach Mainz. Und die muss der tau­melnde Meister erstmal schlagen.

Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.